FormaHoof bei "Blue"

 
Das Pferd:
Smoke's Blue Ghost, im Bericht "Blue" genannt
Paint Horse
Geboren 2013

Kurz zu der Problematik von Blue:

  • flache und dünne Sohle, gibt unter Fingerdruck nach
  • Strahl steht weit hervor, was dem Pferd sichtlich unangenehm ist, wenn er ohne Hufschutz steht
  • Trachten so gut wie nicht vorhanden
  • Pferd lahmt direkt ohne Hufschutz


Vorgestellt wurde mir Blue am 27.05. mit modifizierten Duplobeschlägen, bei denen der Steg herausgenommen wurde. Vermutlich, damit das Duplo plan auf dem Tragrand aufliegen kann. 
Nach Abnahme des alten Beschlags sah man eine flache und dünne Sohle, keine Trachten und eben diesen hervorstehenden Strahl. Die Bearbeitung bestand darin, den Tragrand plan zu raspeln und den Strahl minimal sauber zu schneiden. Die Sohle wurde komplett geschont.


Der erste Beschlag bestand aus einem Equilibrium Eisen und einer Lederplatte, bei der ich den Bereich, in dem der Strahl liegt, ausschnitt um so sicherzugehen, dass wir hier keinen unnatürlich Druck entwickeln. 

Nach 6 Wochen erneuerten wir den Beschlag. Die Hufe waren von der Gesamtqualität etwas besser. Das Pferd lief lahmfrei, unabhängig des Untergrunds.

Leider verlor Blue den Beschlag in den nächsten 4 Wochen so oft und auf unerklärliche Art und Weiße, dass wir uns dazu entschieden, etwas neues auszuprobieren. 


Am 03.08. nahmen wir die Eisen ab und ersetzten den Beschlag mit Formahoof. 

Formahoof ist ein Hufschutz, der um den Huf gegossen und gespritzt wird. Dazu wird der Huf in eine Gussform aus Silikon gestellt. Danach wird eine polyurethane Flüssigkeit (ein spezieller Kunststoff) in die dafür vorgesehenen Löcher der Form gespritzt. Das Ergebnis ist ein optimal an den Huf angepasster Hufschutz, der sämtliche Bewegungen zulässt. Der Hufmechanismus wird nicht eingeschränkt und die Belastungsfläche wird vergrößert. Ziel ist es, so nah am Barhuflaufen zu sein wie irgendwie möglich, mit dem Vorteil, das Horn vor Abrieb zu schützen. 

Nach ungefähr zwei Wochen leichter Bewegung und einem recht langen Ausritt bekam ich Fotos zugeschickt, die einen starken Abrieb des Kunststoffs im Zehenbereich aufzeigten. Daraufhin erneuerten wir am 18.08. den Formahoof und nagelten als zusätzlíchen Abriebschutz ein Eisen auf. Die Eisen wurden nicht vernietet, da ich nicht wusste, wie der Kunststoff auf den Zug der Nägel reagiert. 

Bei der vorhergehenden Bearbeitung sahen wir schon erste Erfolge. Der Strahl begann zu seiner natürlichen Position zu wandern und auch an den Trachten hatten wir einen Hauch mehr Horn. Die Sohle war etwas massiver geworden.

Ein Tag später hatte Blue ein Eisen verloren, was vermutlich daran lag, dass ich die Nägel nicht vernietet hatte.  Beim Aufnageln vernietete ich diese dann. 

Blue lief mehrere Reitstunden und Kurse ohne weitere Vorfälle. Allerdings zeigten sich am Formahoof Risse, die abzusehen waren. Diese entstehen vermutlich aufgrund der Bewegung des Hufs und sind nicht weiter tragisch.

Im Laufe unserer Beschlagsperiode verlor er noch zweimal ein Eisen.

Am 25.09. erneuerten wir zum 3. mal den Formahoof, diesmal mit einer neuen Silikonform, die eine halbe Nummer kleiner war. 

Die Erfolge vom 18.08 setzten sich fort. So war deutlich zusehen, dass der Strahl an seine natürliche Postionen zurück gegangen ist und wir noch mehr Trachtenwand erzielen konnten. Zudem war die Sohle noch einmal ein gutes Stück dicker geworden.

Leider war auch zusehen, dass durch die Fehlstellung der Gliedmaße der Ballen einseitig aufgestaucht wurde. Das war allerdings für mich kein Grund das Projekt abzubrechen, da ich dieses Problem dann angehen wollte, wenn wir mit Formahoof unsere Erfolge hatten.

Die Bearbeitung des Hufes bestand lediglich aus sauber schneiden und plan raspeln des Tragrandes.

Die Hufeisen hielten die kompletten 5 Wochen und hätten vermutlich auch die sechste Woche noch durchgehalten. Da der Formahoof allerdings anfing, sich vom Huf zu lösen erneuerten wir ihn vorzeitig.

Das ist ganz normal und nahmen wir als Zeichen dafür, dass es Zeit wurde, zu handeln. Jedoch konnten wir dadurch nicht austesten, wie lange die Eisen noch gehalten hätten.

Am 20.10 wurde der Formahoof das 4. mal angebracht. Dieses mal ohne Hufeisen, da wir am 30.10 einen Termin mit Tierärztin und Hufpflegerin hatten. Wir versuchten, Blue noch etwas mehr Entlastung zu geben indem ich ein leichtes Silikon im Bereich des Strahls hinzufügte. Leider verlor Blue den linken Formahoof bereits zwei Tage später, so dass wir den Termin mit Tierärztin und Hufpflegerin vorverlegten und wir uns bereits am 22.10. alle trafen um zu schauen, wie wir fortfahren. 

Blue lief seit 2 Wochen lediglich mit Hufschuhen zur Koppel. Sonst wird er barhuf im Roundpen gearbeitet. Auch auf der Koppel läuft er barhuf. Das ist etwas, was sich keiner von uns am Anfang der Reise hätten vorstellen können. 

Dieses Pferd ging lahm, sobald der Hufschutz vom Huf war. Jetzt wird er OHNE Hufschutz longiert.

Kommen wir nun zu meinem Fazit und den Vor- und Nachteilen des Formahoofs:

Zuallererst möchte ich festhalten, dass das Ergebnis welches wir hier erzielt haben all unsere Erwartungen übertroffen hat. Der Wunsch der Kundin, das Pferd barhuf laufen lassen zu können war am Anfang unserer Reise so utopisch, das niemand wirklich daran glaubte, das wir es soweit schaffen. Ich möchte mich auch noch einmal ganz herzlich bei der Besitzerin und natürlich bei Blue für das entgegengebrachte Vertrauen und die Geduld bedanken! Diese Fälle sind es, die einen weiterbringen! Nochmal vielen Dank!

Die Vorteile: 

  • Formahoof bitet einen Hufschutz der nicht genagelt wird
  • geeignet für dünne Wände/Sohlen, da die Hitzeentwicklung des Kunststoffs gering ist
  • kein Verlieren des Hufschutzes (außer evtl. aufgenagelte Eisen und in Ausnahmefällen auch den kompletten Formahoof)
  • wenn ein Eisen verwendet wird, nagelt man in den Kunststoff, nicht in den Huf
  • die Verarbeitung ist simple
  • der Huf wird in seiner Funktion nicht eingeschränkt
  • eine direkte Verbesserung der Zehenachse (Röntgenbilder)
  • optimale Lastenverteilung
  • der Support! Dazu unten mehr


Die Nachteile:

  • Kosten: Die Materialkosten belaufen sich auf rund 150€ zzgl. Umsatzsteuer für zwei Hufe bei einer 4.5 großen Form.
  • Anschaffungskosten: Die Formen haben einen relativ geringen Spielraum was die Hufgröße angeht. Das bedeutet, man braucht alleine um die gängigen Vorderhufgrößen abzudecken rund 4 Gussformen die jeweils rund 450€ kosten. Als Beispiel: Für Blue habe ich ca. 1500€ investiert. Das kann man machen, ist wirtschaftlich aber totaler Quatsch. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich genau diese Größe der Gussform bei einem weiteren Pferd wieder brauche ist gering. Dazu kommt, dass es für vorne und hinten unterschiedliche Formen gibt. 
  • Arbeitszeit: für zwei Hufe brauchte ich ca. 2 – 3 h.
  • Abrieb im Bereich der Zehe
  • Der Kunststoff verteilte sich im Bereich der Zehe meist schlecht bis gar nicht, sodass wir gezwungen waren ein Hufeisen als zusätzlichen Schutz zu verwenden. Allerdings sei hier gesagt, dass es an der Hufform und oder an Verarbeitungsfehler meinerseits liegen könnte!


Das Fazit und Meinung der Besitzerin:

Auf die Frage, ob Sie Formahoof noch einmal wählen würde, gab Sie folgende Antwort:

Aufgrund der erreichten Ziele würde Sie es in Betracht ziehen, Formahoof wieder zu verwenden. Allerdings gibt es mehrere Punkte die es zu bedenken gibt. 

1. Der Preis: 350€ ohne das Resultat zu kennen, ist ein Wort. So wie es jetzt ist, wäre Sie bereit das Geld zu investieren. Allerdings wussten wir vor der Behandlung nicht, was wir erreichen werden.

2. Die Zeit: Blue ist ein absolut braves Pferd. Und das braucht man auch, wenn eine Bearbeitung 2 – 3 Stunden dauert. Natürlich fehlt die Routine, aber man muss vom jetzigen Standpunkt ausgehen. Und da ist Routine eben noch nicht vorhanden.

3. Die Haltbarkeit: Nach zwei Wochen einen so teuren Hufschutz erneuern zu müssen, ist ein riesiges No Go. Hier hat es dank den Eisen zwar eine Verbesserung gegeben, aber auch die Eisen sind leider ab und an verloren gegangen, was wieder einen Termin mit dem Schmied bedeutete

„Würdest du Formahoof nochmal wollen?“ : „Ja, aber nur, weil ich das Ergebnis sehe und mein Pferd die Prozedur ohne Mucken mitmacht.“ 

Mein Fazit und Gedanken zu dem Produkt:

Wie oben beschrieben haben wir unsere Erwartungen übertroffen! Soweit sind wir also mehr als zufrieden. Der Formahoof soll und kann den traditionellen Beschlag nicht vollkommen ersetzen. Ich sehe dieses Produkt als Notlösung, die man in Betracht zieht, wenn alle anderen Optionen ausgeschöpft wurden. Als letzte Instanz um doch noch das ein oder andere zu retten. Der Anwendungsbereich ist riesig, egal ob bei Hufrehe, hohler Wand oder flachen Hufen, der Formahoof ist hier auf jedenfall eine super Alternative zu gängigen Behandlungsmethoden. Allerdings bin ich noch nicht 100% überzeugt. Es gibt meiner Meinung nach noch zu viele Kleinigkeiten die mich davon abhalten den Formahoof fest in mein Sortiment aufzunehmen, als Notlösung werde ich ihn aber im Hinterkopf behalten. 

Und jetzt noch ein paar Worte zum Support: Einen so netten, schnellen und kompetenten Support, wie ich ihn bei der Firma Formahoof kennengelernt habe, ist heutzutage eine Seltenheit! Mir wurden alle Fragen beantwortet. Es wurden Kontakte hergestellt mir anderen Hufbearbeitern die mit Formahoof viel Erfahrung haben und selbst Telefonate bis ans andere Ende der Welt wurden realisiert.